Donnerstag, 13. März 2014

Kamelienselektion

Wenn das Gewächshaus mit Kamelien irgendwann aus allen Nähten platzt, stellt sich einem die Frage, welche Pflanzen man weiterkultivieren möchte. Bei Kameliensämlingen ist es sehr ungewiss, wie die Pflanzen später einmal aussehen werden. Es erscheint daher angebracht anhand von bestimmten Kriterien eine Auswahl treffen, um besonders lohnenswerte Pflanzen herauszufiltern. Ein entscheidendes Merkmal könnte z.B. die Form, die Farbe oder auch der Zeitpunkt der Blüte sein. Auch das Aussehen der Blätter, die Gesamterscheinung der Pflanze oder auch die Schnelligkeit des Wachstums sind geeignete Kriterien. Weil ich meine Kamelien aber im Garten auspflanzen möchte, steht für mich ein ganz anderes Merkmal an erster Stelle: Die Kälteresistenz des einzelnen Sämlings. Für mich ist es entscheidend Pflanzen zu finden, die einen Winter mit -15°C möglichst unbeschadet überstehen. Wenn die Kamelien nach so einem Winter auch noch blühen, wäre es perfekt. Ob die Blüten dann einfach, halbgefüllt, rosa, pink oder rose aussehen, wäre für mich erst einmal zweitrangig. 
Jeder Sämling besitzt meiner Meinung nach gegenüber einer stecklingsvermehrten Pflanze einen ganz schnell entscheidenden Vorteil: Er bildet eine sehr schnell wachsende Pfahlwurzel aus. Unter optimalen Bedingungen erreicht diese Pfahlwurzel bereits 4 - 6 Wochen nach Keimungsbeginn eine Tiefe von 20 cm (s.a. Growing Camellia japonica from seed), das entspricht der Wurzeltiefe einer 4-5jährigen Kamelie im 3-Liter-Container! Aufgrund dieser tief gehenden Wurzel ist die Wasserversorgung des Sämlings im Vergleich zu einem Steckling wesentlich verbessert. Ein "Vertrocknen" der Kamelie im Winter sollte bei einem Sämling eigentlich nicht so schnell passieren. 
Ich möchte von einigen bekannten "winterharten Kameliensorten" Sämlinge heranziehen, die hoffentlich die Winterhärte/Kälteresistenz ihrer Eltern vererbt bekommen und durch die Ausbildung der Pfahlwurzel eine verbesserte Wasseraufnahme aufweisen. Aber natürlich werden aufgrund der Neuorganisation des genetischen Materials auch einige "loser" dabei sein. Um möglichst früh geeignete Pflanzen herauszufiltern, habe ich im Garten ein kleines "Selektionsbeet" angelegt. 39 Sämlinge im Alter von 5 - 17 Monaten wurden in 50 cm lange Abwasserrohre gepflanzt; die nur 7,5 cm dicken Rohre wurden ca. 40 cm tief in den Boden eingelassen. Aus meiner Erfahrung reicht dieser Platz im Rohr für die Sämlinge vollkommen aus. In den nächsten zwei bis drei Wintern soll sich nun entscheiden, welche Pflanzen für meine Winterhärtezone besonders geeignet sind. 
Unter den ausgepflanzten Sämlingen sind einige Hybrid-Kreuzungen und auch "exotische Arten" dabei, von denen es bislang nur wenig Erknntnisse zur Winterhärte gibt, u.a. Camellia cuspidata, Camellia oleifera, Camellia chekiangoleosa, Camellia japonica `Red Jade`, Camellia japonica `Tama no ura` x `Kuro delight` bzw. Camellia japonica `Tama no ura` x `Masayoshi` und Camellia oleifera x Camellia sasanqua.

Kamelienselektionsbeet Mitte März 14, letzte Nacht wurde das Bett bei -2°C noch mit einer dicken Umzugsdecke abgedeckt.
Die Pflanzen können im Moment noch hervorragend mit dem gesamten Rohr aus dem Boden gezogen werden, um später an einem geeignetem Platz ausgepflanzt zu werden. Wie gut man die Kamelien in zwei -drei Jahren noch aus dem Boden bzw. Rohr bekommt ist natürlich ein ganz anderes Problem. Notfalls wird dann zum Spaten und zur Flex gegriffen.


Das Kamelienbeet wurde etwas erweitert, 17.05.14.

September 2014

Das Kamelienbeet im Juli 2016. Über den Winter 2015/16 sind ca. 15 Sämlinge erfroren bzw. vertrocknet.

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